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Programm Kulturort Weiertal 2026

Informationen zum Rundgang vom 16. August 2026

Gartenträume-Rundgang
mit dem Gehdichter Christian Kaiser


«O, es gibt Träume, die ganz dunkelgrün sind, von Spuren Rot durchzogen, von Blau umsäumt, so, als sei unser Denken und Dichten blau, unser besseres Wollen rot und unser Leben unaussprechlich grün. Ja, Grün ist - Leben, Grün ist Lieben. Es missfällt oft. Es entzückt und entsetzt zu gleicher Zeit, und es wird von Tag zu Tag wilder und üppiger.» (Robert Walser: Grün I)

DichterInnen - und KünstlerInnen überhaupt - neigen seit jeher zu grünlichem Pathos, wenn sie sich tagträumend im Garten-, Wald- oder Parkgrün verlieren. Hier beschreibt Robert Walser das Leben als immergrünen Urwald, der zum täglich undurchdringlicheren Dickicht wird. Walser war ein Spaziergänger, der spazierend, sinnierend und schreibend sein Innerstes umkreist und sich ihm annäherte. Die Grenzen zwischen Aussen und Innen lösen sich auf einem solchen Tauchgang durchs Grün auf, wie sich sowieso bei langen Gängen traumwandlerisch das Bewusstsein erweitert; es entsteht entspannte LAufmerksamkeit, Halluzination (P. Nizon), Rausch (W. Benjamin), ein DichtDickIch (Kaiser ;-)

Meinem ersten Gedichtband «BorkenKäferFrassSpuren», der mir eine Einladung an die Solothurner Literaturtage eingebracht hatte, habe ich ein Walserzitat vorangestellt und im Untertitel «Ausflüge in die Zeichenflora und Sprachfauna eines Gehdichters» angekündigt. Nun nehme ich das Publikum mit auf einen Gartenträume-Rundgang durch den TraumGarten der von Meiss', den ich schon in den vergangenen Jahren regelmässig lyrisch bespielen durfte.

Ein Müsterchen gefällig? In der Deutschen Literatur-Zeitschrift «Am Erker» (Nr. 89) schräubelt sich grad aktuell mein Alter-Ego als BotanikLyriker durch die Wiese. Gern nehme ich Sie mit!


ich bin der wicken-pedia
eine wicken-pedia möcht ich sein
ich ginge per pedes durch die wiesen
und kennte alle wicken und ihre nahen
und fernen verwandten schwestern und kusinen
alles weiden der bienen wicken erbsen
esparsetten kleearten und was auf ihnen
kreucht und fleucht und von dort in kisten
getragen wird in erdlöcher baumhöhlen wildbienenhotels
das alles möchte ich kennen lexikalisch
ein wandelnder wickepedia möchte ich sein
der die blüten auseinanderhalten kann und ihre süsse
an platterbsen lutscht rotklee aussaugt
und den wilden honig verschleudert
will die zaunwicken esparsetten und co.
wackeln damit ihr blütenstaub fällt
ein antibiotischer propolisproduzent will
ich sein ein heilkräuterkompendium
die blüten sanft wickeln wie babies ...
(Auszug)


«Frühere Spaziergänge traten mir vor die Augen; aber das wundervolle Bild der bescheidenen Gegenwart wurde zur überragenden Empfindung. Die Zukunft verblasste, und die Vergangenheit zerrann. Ich glühte und blühte selber im glühenden, blühenden Augenblick. [...] Ich war ein Inneres geworden und spazierte wie in einem Innern; alles äussere wurde zum Traum, das bisher Verstandene zum Unverständlichen. [...] Ich war nicht mehr ich selber, war ein anderer und doch gerade darum erst recht wieder ich selbst.» (Spaziergang)